Centered Riding Open Clinic bei Roswitha Schreiber-Jetzinger

Ende Mai fuhr ich nach Bierbaum am Kleebühel (Niederösterreich) um bei Rosi Schreiber-Jetzinger eine Open Clinic im Centered Riding zu besuchen. Rosi ist Centered Riding Level 3 Instruktorin, eine der wenigen in ganz Österreich, und unterrichtet auf ihrem Hof Kinder und Erwachsene im Reiten aus der Körpermitte. Reiten aus der Körpermitte setzt sich aus den vier essentiellen Pfeilern zusammen:

  • Sanfte Augen
  • das richtige Atmen
  • Sitzen im Gleichgewicht
  • aufeinander aufbauenden Bausteinen.

Vor meinem Kurs hatte ich das Buch der CR-Begründerin Sally Swift geschenkt bekommen und konnte mich  also theoretisch schon etwas darauf vorbereiten. Wie es aber so häufig der Fall ist, schaut die Praxis dann doch ganz anders aus und so bekam ich in diesen zwei Tagen eine Idee für ein ganz neues Körper- bzw. Reitgefühl. Natürlich ist es nicht möglich von heute auf morgen seine alten Gewohnheiten abzustellen; schon garnicht wenn man das Reiten so ganz klassisch in Reitschulen gelernt hat: „Brust raus, Bauch rein, Zehenspitzen zum Pferdemaul!“ sind nur einige der häufig lautstark bekräftigten Anweisungen der Reitlehrer, welche wohl jeder kennt. Viele dieser grundsätzlich gut gemeinten Ratschläge lassen sich allerdings so garnicht mit einem gesunden Bewegungsablaufes des Reiters, aber auch des Pferdes vereinbaren: Taktstörungen, Lahmheiten, aber auch Rückenschmerzen und allgemeine Verspannungen können die Folge sein.

Die Vormittage widmeten wir ausschließlich der umfangreichen Theorie: Am Trampolin bewegen bzw. bewegen lassen, Zügelübungen mit einem menschlichen Partner,  Erspüren der Sitzbeinhöcker mit und ohne Franklin-bälle, aber auch diverse andere Übungen mit bildlichen Vorstellungen zur Körperwahrnehmung, welche am Nachmittag auf das Reiten übertragen wurden. Rosis gut ausgebildete Fjordpferde reagierten schon auf die kleinsten Veränderungen unserer Körperpositionen und waren uns vorallem deshalb sehr gute Lehrmeister. Zuhause gestaltete sich das Training mit meiner Stute noch einmal etwas anders, da man schneller in alte Muster verfällt. Nun reite ich etwa zehn Wochen (Stand 8/2017) nach diesem neuen Prinzip und ich bin unheimlich begeistert, welche Veränderungen sich bei mir und meiner Stute einstellen: Wir sind beide viel gelassener und ich spüre ihren Takt und die Bewegungen viel besser und genauer, da ich nicht mehr so oft das Gefühl habe am Pferd zu sitzen, sondern viel mehr „in ihm“. Schon mit meiner Atmung kann ich so unheimlich viel erreichen (z. B. Schneller werden = Segelschiff anpusten, langsamer werden = Anker in den Boden sinken lassen).  Unser Körper ist reich an Nerven versorgt (Innervation) und durch diese lassen sich kleinste Veränderungen in der Körperspannung herstellen. Wenn ich mir also vorstelle, dass ich ein Segelschiff mit meinem Atem vorwärts puste, dann ändert sich auch meine Muskulatur und Körperhaltung bzw. gibt treibende Impulse. Umgekehrt kann ich so natürlich auch meine Muskulatur entspannen und das Pferd verlangsamen bzw. bremsen.

Eine tolle Ergänzung also zu meinem bisherigen Training und natürlich auch wieder viel Input für mich selbst.